Newsletter Januar

BI-Henriettenplatz

kämpft für einen lebenswerten Kiez!

Liebe Nachbarn,

 

das Bezirksamt hat in seiner Weisheit nur einen kleinen Teil der Betroffenen zur Einwohnerversammlung am 12. Januar eingeladen. Aus diesem Grund lesen Sie heute diesen Newsletter, und aus diesem Grund werden von den Aktiven unserer Bürgerinitiative in den nächsten Tagen noch überall Flugblätter mit dem Hinweise auf die Versammlung aufgehängt.

Am nächsten Dienstag soll der Eigentümer / Investor seine Pläne für Halensee, für die Fläche der Kleingärten in der Seesener Straße über die westliche Seite des Henriettenplatzes bis zum S Bahnhof, vorstellen.

 

Wir haben im letzten Jahr nicht nur für unseren Kiez im Rathaus gekämpft, sondern Sie auch immer über den jeweiligen Stand der Dinge informiert. Begreifen, was da realisiert wurde, konnte man aber erst jetzt richtig, nachdem der 200m lange Wohnriegel sich als Rohbau seiner Vollendung nähert.

Beantragt und genehmigt wurden damals zehn einzeln stehende Stadthäuser. Nur wer ganz genau hinschaut, erkennt jetzt den Abstand von 5 cm !

Einige von uns, die sagten, der Riegel verändere Halensee so wie der als Prora bekannte Nazibau Rügen beeinträchtigt,, wurden für diesen Vergleich gescholten.

Aber wer will jetzt noch bestreiten, daß dieser Bau ein Schlag ins Gesicht unsres Ortsteils ist?

Daß wir jetzt in Halensee endlich unseren ersten „Plattenbau" haben, ist noch die vorsichtigste Bezeichnung für das, was angeblich doch Stadthäuser sein sollen.

Die Politik versprach uns, man wolle aus den Fehlern bei diesem Bauprojekt lernen. Ob gelernt wurde, sehen und hören wir hoffentlich nächsten Dienstag.

 

Die Versammlung ist das direkte Ergebnis unserer Arbeit im letzten Jahr.

Statt wie beim jetzt bereits entstehenden Bau klammheimlich, ohne Beteiligung der Betroffenen, einen weiteren Wohnriegel in unseren Kiez zu setzen, willigt die Politik nun ein, uns immerhin zu informieren. Und zwar bevor eine Baugenehmigung erteilt wird.

 

Die verantwortlichen Parteien sprechen dieses Mal sogar von Bürgerbeteiligung, gleichzeitig lehnen CDU und SPD die einzige rechtlich bindende Form der Bürgerbeteiligung, ein gesetzlich geregeltes Bebauungsplanverfahren, aber ab.

Das ist nichts anderes als Schaufensterpolitik, 10 Monate vor der Wahl.

Wenn das Bezirksamt meint, das ginge nur die Seesener Straße etwas an (weil nur dort die Informationen zur Versammlung vom Ba verteilt wurden), dann irrt das Bezirksamt; wie wir wissen, irrt das Ba nicht zum ersten Mal.

Diese Bebauung, die im letzten Jahr bereits in der Seesener allen vor Augen führte, wie man mit uns umgeht, wird aber viel mehr Menschen etwas angehen. Auch auf der nördlichen Seite des Henriettenplatzes werden die Folgen der geplanten Bebauung zu spüren sein.

 

Wer bisher beim ersten Sonnenstrahl gern seine Mittagspause, oder auch mehr Zeit auf dem Henriettenplatz verbrachte, muß sich wohl bald einen anderen Platz dafür suchen.

Wir wissen seit den ersten Planungen vor 14 Jahren, daß der Henriettenplatz im Hochsommer bereits ab 16:00 Uhr im Schatten liegt, wenn an seiner westlichen Seite (entlang der S-Bahn) höher als drei Etagen gebaut wird. Sollte die Seesener wirklich durchgehend bis zum S-Bahnhof bebaut werden, wird außerdem durch Fallwinde der Platz nicht wie bisher mehr zum Verweilen einladen.

Der sich, trotz ungeklärter Fragen, immer mehr seiner Vollendung nähernde Bau im südlichen Teil der Straße zeigt, wohin die Reise gehen soll.

Aus einer ruhigen Wohnstraße, mit 365 Tagen Sonne in allen Etagen im Vorderhaus, wird eine ganz gewöhnliche Berliner Straße.

Schon jetzt werden 3-400 neue Bewohner das Bild in unserem Kiez verändern.

Sollten sich die Gerüchte bewahrheiten, daß zu diesen noch über 600 neue Wohnungen dazu kommen, bekommt die Seesener Straße innerhalb kurzer Zeit mehr als 1.000 zusätzliche Bewohner. Auf 500 m Straßenlänge. Die neuen Nachbarn werden, wie wir Alt-Bewohner auch jetzt schon, die S-Bahn und Busse nutzen wollen, durch Paket und andere Dienste ver - und entsorgt werden müssen und natürlich auch gern Auto fahren.

Auf ca 500 m Länge bekommt die Seesener, und damit unser gesamter Kiez, zusätzlich mindestens 500 neue Autos, die nur größtenteils in Tiefgaragen abgestellt werden, aber natürlich erst einmal dorthin kommen müssen.

Im letzten Jahr ist aufgrund eines Verkehrsgutachtens ein neuer Verbrauchermarkt auf dem Areal des ehemaligen Güterbahnhofs (hinter dem Bauhaus) nicht genehmigt worden.

Es erschließt sich wahrscheinlich nur der Logik des Bezirksamtes, warum dann in der Seesener zusätzlich zum jetzt schon entstehenden Neubau eine weitere, wohl mindestens siebengeschossige Bettenburg, mit Hunderten zusätzlichen Kfz, Halensee belasten soll.

 

Wir wissen alle, daß Halensee ein sehr beliebter Ortsteil ist.

Die politisch Verantwortlichen scheinen aber nicht zu wissen, daß man mit ihrer Art von Stadtplanung sehr schnell aus einem beliebten Kiez einen sozialen Brennpunkt macht, dem die, die es sich leisten können, entfliehen werden. Denn die Opfer dieser falschen Politik bekommen sonst häufig lebenslang.

Zusätzlich wird noch von ganz anderer Seite Halensee bedroht, denn durch Kaltmieten ab 10 € aufwärts, verändert sich auch unser Mietspiegel zum Negativen. Diese Art der Verdrängung, auch Gentrifizierung genannt, auf der einen, und die vollkommene Verdrängung von Grün durch Beton auf der anderen Seite, werden unseren Kiez so verändern, wie zuletzt es der zweite Weltkrieg getan hat.

 

Wir wissen aktuell nicht, warum kurz vor Weihnachten der Bagger, der begonnen hatte, die Gärten in der Seesener Straße platt zu machen, verschwunden ist. Vielleicht hat unser Protest, der u.a. durch sehr viele Zuschriften, nicht zuletzt auch auf unserer Facebookseite, deutlich wurde, zum Verschwinden des Baggers beigetragen hat. Unser Ziel ist es nach wie vor, die Gärten zu erhalten!

Vielleicht bekamen die Verantwortlichen auch Angst davor, die Räumung der Gärten könne die Stimmung der Einwohnerversammlung zu negativ prägen. Es würde mich auf jeden Fall nicht wundern, wenn kurze Zeit nach der Versammlung der Bagger sein Werk fortsetzt. Um so wichtiger ist es, daß wir alle am 12. Januar den Verantwortlichen zeigen, daß wir unseren Teil von Halensee lieben und nicht kampflos aufgeben.

Vor 14 Jahren hat schon einmal ein Investor den Henriettenplatz bis hinein in die Seesener Straße bebauen wollen, die Hälfte der Kleingärten sollte für eine Tiefgarage betoniert werden. Der erste Spatenstich wurde laut Morgenpost im September 2002 erwartet. Einige Jahre später gab der Investor dann das Grundstück an die Bahn zurück, verbunden mit der Klage, die Bürgerinitiative habe ihm „ständig Knüppel zwischen die Beine geworfen“..

Wir können Ihnen nicht versprechen, daß wir das wieder erreichen können.

Aber wir wissen, daß es jetzt Zeit ist, den Verantwortlichen zu sagen:

 

So nicht!

 

Deshalb bitten wir Sie alle, kommen Sie am 12. Januar um 19:30 in die Hochmeisterkirche. Informieren Sie bitte auch Ihre Nachbarn, die vielleicht noch nicht unseren Rundbrief kennen, über die Wichtigkeit der Versammlung.

Die Einwohnerversammlung ist unser Abend, es gäbe sie ohne unsere Bürgerinitiative nicht, es ist nicht der Abend des Investors!

Wir haben zwar nicht das Hausrecht, aber es heißt Einwohner - und nicht Investorenversammlung! Und wenn es der Politik an Qualität fehlt, dann können nur wir das wett machen.

Lassen Sie uns gemeinsam der Politik zeigen, daß wir für Halensee kämpfen, und uns nicht mit scheinheiligen Versprechen von Bürgerbeteiligung beeindrucken lassen.

 

Noch ist nichts entschieden, daher ist auch noch nichts verloren.

Denn nur wer nicht kämpft, hat schon verloren.

 

Damit wir Sie in Zukunft noch schneller informieren können, gibt es unsere Bürgerinitiative jetzt auch bei Twitter. Folgen sie der „Bi Henriettenplatz“ wenn Sie außerhalb unseres Rundbriefs und unserer Flugblätter aktuell auf dem Laufenden bleiben möchten.

Weitere Informationen finden sie wie immer auf unserer Homepage und unserer Facebookseite.

Wir werden zeitnah, ohne Politiker, also unter uns, nach dem 12.1. eine weitere Versammlung veranstalten um gemeinsam zu überlegen, welche Schritte jetzt gegangen werden müssen.

 

Der harte Kern der Bi trifft sich wie immer jeden Mittwoch ab 15:00 im Dos Pescados.

 

Bis nächsten Dienstag

 

Ihr

 

Heinz Murken

 

ps. wenn Sie in Ihrem Haus kein Flugblatt mit der Einladung von uns bekommen haben sollten, können Sie es gern aus dem Anhang dieser Email ausdrucken und bei sich zu Hause verteilen.