Newslatter_Dezember

BI-Henriettenplatz

kämpft für einen lebenswerten Kiez!

Liebe Nachbarn,

am Freitag Morgen (11. Dezember) hat sich verwirklicht, was wir bis dahin noch versuchten zu verhindern.

Aufgrund einer unrechtmäßigen Kündigung durch die die Gärten verpachtende Eisenbahnlandwirtschaft und der darauf folgenden Räumung der Kleingärtner verrichtet seit heute früh ein roter Bagger sein Werk.

Die Kleingärten in der Seesener Straße werden plattgemacht.

Sechzehn Gärten, die seit Jahrzehnten alle Bewohner und viele Besucher Halensees erfreuten, werden zerstört.

Auf dem Altar der wachsenden Stadt wird Grün vernichtet. Weil die Politik offenbar glaubt, mehr Berliner bräuchten weniger Grün!

Der letzte grüne Flecken zwischen Hochmeisterplatz und der Wiese am Halensee soll grauem Beton weichen.

Und der sozialdemokratische und auch von den Grünen getragene Baustadtrat greift nicht etwa ein, sondern zieht sich mit dem Verweis auf die Kleingärtner, die sich ja mit ihrem Verpächter geeinigt hätten, aus der Affäre. Daß der Verpächter, die Eisenbahnlandwirtschaft, seine Pächter anscheinend getäuscht hat, interessierte den Baustadtrat das ganze Jahr über nicht.

Ein seinem Amt gewachsener Baustadtrat hätte dem Eigentümer und potentiellen Investor gesagt, Du willst etwas von mir, ich will etwas von Dir. Und damit hätte ein Verbleib der Gärtner bis zum bis heute fraglichen Beginn der Bauarbeiten ermöglicht werden können.

 

Stadtgrün wird in Betongold verwandelt?

Noch nicht ganz!

Denn laut Aussage des Stadtrates liegt noch nichts Offizielles vor, weder ein Bauantrag, noch etwas in der Richtung. Es würden "nur informelle Gespräche geführt".

Allerdings wollen SPD- und CDU-Fraktion jetzt dafür sorgen, daß nicht lange an der Seesener Straße eine Brache vorliegt, und wegen dieser Brache jetzt dafür sorgen, daß "möglichst schnell" mit Bauarbeiten begonnen wird.

 

Wer jetzt denkt, daß die Gärten platt gemacht werden, damit das ein Grund ist, schnell bauen zu dürfen, hat mehr politische Fantasie als unser Baustadtrat.

Der Antrag der Grünen, für das Grundstück bis zum S-Bahnhof einen städtebaulichen Wettbewerb durchzuführen, fand bei den schwarz-roten Betonköpfen keine Gegenliebe. Allerdings möchte man die Anwohner beteiligen.

Die Mehrheit der Bezirksverordenten will also das Tor zur City-West wie ein x-beliebiges Sträßchen behandeln

Wer zuerst vollendete Tatsachen schafft, um dann die Betroffenen zu beteiligen, hat anscheinend vergessen, daß in Halensee kein Stimmvieh, sondern mündige Wähler wohnen. Die nächste Wahl in Berlin ist in zehn Monaten...

Und ich glaube, viele von uns Betroffenen werden bis zum Wahltag noch genauer als sonst unter die Lupe nehmen, was uns als nachhaltige Politik aufgetischt wird.

Der baupolitische Sprecher der CDU-Fraktion im Bezirk, Arne Herz, sprach im Bauausschuss nicht zum ersten Mal davon, man wolle "aus den Fehlern lernen", die beim entstehenden Bau in der Seesener Straße von der Politik gemacht wurden. Was er lernen will oder bisher schon lernte, hat er nicht gesagt.

Gerüchten zufolge plant der neue Investor zwischen S-Bahnhof und Johann-Sigismund-Straße 650 zusätzliche Wohnungen. Am Henriettenplatz, wo den Investor natürlich die Anschrift "Kurfürstendamm" lockt, sollen vor allem Büros und Geschäfte entlang der S-Bahn Einzug halten, im weiteren Verlauf sollen dann die erwähnten Wohnungen errichtet werden.

Beim bereits entstehenden Bau werden zu den über 200 neuen Wohnungen über 170 Stellplätze in der Tiefgarage errichtet. Wir können daher davon ausgehen, daß, wenn sich die Zahl von 650 Wohnung bewahrheiten sollte, weitere mindestens 500 Stellplätze in der zweiten Tiefgarage in die Seesener Straße kommen. Unterm Strich würde das bedeuten, daß wir mehr als 600! zusätzliche! Kfz allein in der Seesener Straße, zwischen Joachim-Friedrich-Straße und Kurfürstendamm, erhalten werden. Das Chaos, das dadurch in unseren Straßen willentlich herbei geführt wird, dürfte weit jenseits unserer bisherigen Vorstellungskraft liegen. Ein- und Ausfahrt zu dieser zweiten Tiefgarage sollen Gerüchten zufolge neben der Ausfahrt der Tiefgarage des jetzt entstehenden Gebäudes liegen - also gegenüber der Johann-Sigismund-Straße.

Aber - wenn der Baustadtrat die Wahrheit sagt - gibt es noch keinen Bauantrag, noch keinen Bauvorbescheid, noch Ähnliches.

Das bedeutet auch, daß noch nichts entschieden und noch nichts genehmigt wurde.

Auch wenn die Zerstörung der Gärten fraglos bitter ist, wir lassen uns nicht so leicht entmutigen, wir machen weiter!

Die Politik im Bezirk scheint Halensee zum Abschuss freigeben zu wollen.

Wir werden weiter, jeden Tag, in jeder freien Minute, für unseren Teil Halensees und damit für unser Zuhause kämpfen.

Jetzt mehr denn je!

 

Bitte notieren Sie schon jetzt den 12. Januar. An diesem Tag sollen im Rahmen einer Einwohnerversammlung des Bezirksamtes die Pläne, die der Investor für den Rest der Seesener Straße und den Henriettenplatz hat, vorgestellt werden.

Einen Woche später, am 19. Januar, werden wir als Bürgerinitiative eine Einwohnerversammlung durchführen, auf der dann ohne Politiker, unter uns, unser weiteres Vorgehen besprochen werden kann.

 

Auch wenn das kurz vor Weihnachten zum Jahresabschluss keine erfreulichen Nachrichten waren, wünschen wir Ihnen trotzdem schon jetzt schöne Feiertage und freuen uns, mit ihnen zusammen im kommenden Jahr für unseren Kiez weiter zu kämpfen.

Die Aktiven unserer Bürgerinitiative treffen sich am kommenden Mittwoch und am 6. Januar ab 15:00 Uhr im Dos Pescados am Henriettenplatz.

Wie immer finden Sie weitere Informationen, Zeitungartikel und Bilder auf www.bi-henriettenplatz. de oder auch auf unserer Facebook Seite.

 

Persönlich noch eins: Ich habe bisher immer versucht, den Newsletter für Sie so neutral und informativ wie möglich zu formulieren.

Seit zwei Tagen aber beherrscht mich nur noch blanke Wut über die, die dafür gewählt wurden, unseren Bezirk für die Zukunft fit zu machen. Was wir in dieser Woche erlebt haben, hatte mit vielem zu tun, bestimmt aber nicht mit guter Politik. Aus diesem Grund ist dieser Rundbrief vom Ton her anders, als Sie es bisher gewohnt waren. Diese Veränderung ist eine Reaktion auf das, was uns geboten wurde, und hat viel mit meiner ganz persönlichen Wut zu tun, die im Übrigen u.a. auch von den anderen Aktiven unserer Bürgerinitiative geteilt wird.

 

Bis zum nächsten Jahr

Ihr Heinz Murken