murken_an_schulte_230115

BI-Henriettenplatz

kämpft für einen lebenswerten Kiez!

Brief von Heinz Murken und Rudolph Paul Harthun

an den Stadtrat Marc Schulte

 

Halensee im Januar 2015

Herrn Bezirksstadtrat

Marc Schulte

Otto-Suhr-Allee 100

10585 Berlin

 

nachrichtlich den Parteien in der BVV

 

betr.: Seesener Straße

 

Sehr geehrter Herr Stadtrat,

lieber Herr Schulte,

wie Sie bereits der Presse entnommen haben, hat sich die Bürgerinitiative Henriettenplatz 12 Jahre nach ihrer Gründung erneut zusammengefunden.

Viele Anwohner, die die Baugrube in der Seesener Straße sehen und durch die Bautätigkeit über ein Jahr lang stark eingeschränkt werden, sind äußerst beunruhigt über die nun öffentlich gewordenen weiteren Planungen für unseren Kiez.

Halensee gehört zu den beliebtesten Wohnorten in Berlin. Zur guten Infrastruktur tragen auch die Möglichkeiten zur Erholung bei, z.B. die Grünanlage am Hochmeisterplatz, und der Henriettenplatz.

Die Verlängerung des Henriettenplatzes, die Seesener Straße, wird nun in fast beispielloser Art und Weise bedroht.

Allein der bereits entstehende Bau bringt neben den neuen Bewohnern, die jederzeit in Halensee willkommen sind, auch Stellplätze für 164 Pkw mit sich. Mit mindestens noch einmal so vielen Fahrzeugen muß gerechnet werden wenn die Seesener Straße weiter erbaut werden sollte.

Diese Kraftfahrzeuge werden die Verkehrslage in Halensee so verschlimmern, daß es automatisch nicht nur im Berufsverkehr zu noch mehr Staus in den umgebenden Straßen, also einer Verschlechterung der Wohnqualität kommen wird.

Zusätzlich nimmt der bis zu siebengeschossige Bau auf der Westseite der Seesener Straße den Bewohnern der Joachim-Friedrich-Straße, der Halberstädter und vor allem der Johann-Sigismund-Straße die Durchlüftung ihres Wohnumfeldes.

Die nächste Hitzewelle wird kommen, die betroffenen Bewohner werden keine Möglichkeit mehr zum Lüften haben, frische Luft kommt bei ihnen nicht mehr an!

Weil Sie, sehr geehrter Herr Stadtrat, der Frischluft einen Riegel vorsetzen!

Schon die für diesen Bau erteilten Genehmigungen entsprechen in keiner Weise dem Ziel der rotgrünen Zählgemeinschaft den ökologischen Stadtumbau voranzutreiben. In Zeiten des Klimawandels genehmigen Sie, daß komplette Straßenzüge vom ca 80% aller Tage in unserer Stadt wehenden Westwind abgeschnitten werden!

Nun gibt es Befürchtungen in Halensee, daß die gleiche Planung auch noch den restlichen Teil der Seesener Straße bis zum Henriettenplatz zerstören soll.

Die Bürgerinitiative lehnt eine weitere Bebauung genau wie den sich leider bereits im Bau befindlichen Neubau ab!

Wir verwehren uns gegen jegliche die Wohnqualität im Kiez bedrohende Planung!

Der Bürgerinitiative ist bekannt, daß die Stadt mehr Wohnungen braucht. Aber es gibt auch in unserem Bezirk ausreichend Plätze, an denen eine weitere Bebauung ohne Schäden für das Allgemeinwohl möglich sind.

Der Henriettenplatz ist nicht zuletzt Dank unserer Bürgerinitiative seit seinem Umbau im Jahr 1986 ein Kleinod im Bezirk und bis heute ein Platz von unvergleichlicher Lebensqualität. Sollte die Politik, die Seesener Straße mit einem weiteren Riegel gleicher Größe zu bebauen, sich fortsetzen, wäre der Henriettenplatz bei Süd-oder Südwestwind nur noch ein Opfer undurchdachter Bezirkspolitik. Denn durch die Fallwinde, die dann durch die Neubauten auftreten, die Sie genehmigt haben, verstärkt durch das bestehende Hochhaus, wird ein Aufenthalt auf dem Henriettenplatz unmöglich werden.

Es sollte Ihnen bewusst sein, daß Sie als verantwortlicher Stadtrat auf einer Länge von gut 400 Metern in einer reinen Wohnstraße weit über 300 Fahrzeugen einen neuen Stellplatz genehmigen würden.

Stau in der von Frischluft bereits abgeschnittenen Johann Sigismund, der Halberstädter und der Ecke Seesener - Joachim Friedrich Straße wäre nicht nur im Berufsverkehr sondern von morgens bis abends die Regel.

Stau in Wohnstraßen, die von natürlicher Durchlüftung abgeschnitten sind, würde den Bewohnern im wahrsten Sinn des Wortes die Luft zum atmen nehmen!

Diese unverhältnismäßige Verdichtung würde unseren Teil von Halensee also von Grund auf für alle Bewohner negativ verändern.

Dies können wir als Bürgerinitiative nur ablehnen!

Sie, sehr geehrter Herr Stadtrat, würden damit die Gentrifizierung auch in unserem Bezirk weiter voran bringen. Und wenn die Lebens - und Wohnqualität nicht mehr stimmt ziehen die weg, die es sich leisten können!

Wir können uns nicht vorstellen, daß Sie als der Stadtrat in die Bezirksgeschichte eingehen möchten, der der Gentrifizierung in Halensee Tor und Tür geöffnet hat.

Wir fordern daher von Ihnen vor Erteilung weiterer Baugenehmigungen die Einholung eines unabhängigen Umwelt-und Verkehrsgutachtens.

Dieses soll die Folgen einer weiteren Verdichtung für den Bereich zwischen Paulsborner Straße und Rathenauplatz auf der einen, sowie zwischen Heilbronner und Joachim-Friedrich- Straße auf der anderen Seite klären.

Denn nicht nur der Verkehr würde weit über die vorhanden Grenzen hinaus zur Belastung, sondern es würde auch die Umwelt durch Abschottung vom Westwind und Grünzerstörung den Baggern zum Opfer fallen.

Alte Kastanien, die sogar den Krieg überlebt haben, sind bereits gefällt, andere werden Ihren Baugenehmigungen noch zusätzlich zum Opfer fallen. Dazu einige Kleingarten, die das einzige Grün sind zwischen der Kurfürstendammbrücke und dem Hochmeisterplatz!

So lebenswert und beliebt, wie Halensee ist, so ausgelastet ist auch dieser Ortsteil unseres Bezirks. Halensee ist bereits jetzt mit Grünflächen unterversorgt!

In Halensee gibt es, wie Sie wissen, eine lange Tradition sich für den Erhalt unseres Ortsteils in Bürgerinitiativen zu engagieren.

Wir werden auch jetzt nicht tatenlos zu sehen wie unser Kiez zerstört wird, wie Anwohnerinteressen ignoriert werden und wie wissentlich der Gentrifizierung Vorschub geleistet wird, indem ohne über die Folgen für die Bewohner nachzudenken, „Prora“ in Halensee wiederholt werden soll!

Mit freundlichem Gruß

HM und RPH

 

zurück